Sinnesentwicklung bei Kindern

Kind schneidet mit Hilfe der Betreuerin Paprika

©StMELF/Tobias Hase

Immer mehr Kinder besuchen ab dem zweiten Lebensjahr eine Kindertageseinrichtung. Da die ersten Lebensjahre für die Geschmacksentwicklung sehr wichtig sind, ergibt sich die Chance, die Kinder im Sinne einer gesundheitsförderlichen Ernährung zu schulen, um langfristig die Akzeptanz einer ausgewogenen Verpflegung zu steigern.
Insbesondere das Kennenlernen und Akzeptieren von neuen Lebensmitteln erfordern Übung und Wiederholung und sind wichtige Bausteine im Prozess der Gewöhnung an eine ausgewogene Kost. Der nachhaltige, positive Effekt auf die Gesundheit der Kinder ist ein weiterer Pluspunkt.

Einflussfaktoren auf die Entwicklung des Geschmacks
Angeborene und erlernte Geschmacksvorlieben

Essen als Genuss mit allen Sinnen erleben

Es sind fünf Sinne zu unterscheiden, die maßgeblich an einem Geschmackserlebnis beteiligt sind.
Mit diesen fünf Sinnen nehmen die Kinder Kontakt mit der Umwelt und damit auch mit der Nahrung auf.
  • Augen
    Der erste Kontakt mit einem Lebensmittel wird meist über das Sehen hergestellt. Sehen ist der dominanteste Sinneseindruck, dies gilt auch beim Essen („Das Auge isst mit.“).
  • Nase
    Der Geruchssinn ist der empfindlichste und komplexeste menschliche Sinn und lässt sich im Gegensatz zu den anderen Sinnen wie Sehen und Hören nicht bewusst ausschalten.
  • Ohren
    Der Hörsinn wird als Einflussfaktor darauf, ob uns etwas schmeckt oder nicht, oft unterschätzt. Das Abbeißen und Kauen verursacht Geräusche, genau genommen Schallwellen. Wahrgenommen wird neben laut und leise auch die Art des Geräusches.
  • Finger und Mund
    Der Tastsinn der Hände und die Druck- und Tastwahrnehmung im Mund ergeben den haptischen Eindruck, den wir von einem Lebensmittel erhalten.
    Im Mund werden die fünf Geschmacksrichtungen süß, salzig, sauer, bitter und umami erfasst.
  • Geschmack
    Der Geschmackssinn stellt einen Schnelltest im Mund dar, der genusstaugliche und energiereiche von ungenießbarer und giftiger Nahrung unterscheidet.

Warum ist es so wichtig, die Sinne im Rahmen des Kita-Alltags zu trainieren?

  • Das sensorische Lernen ist wichtig für die Entwicklung eines individuellen Geschmacks.
  • Kinder erleben einen spielerischen Zugang zu Lebensmitteln, ihre Neugier und Experimentierfreude wird angesprochen.
  • Kinder akzeptieren dadurch leichter neue und unbekannte Lebensmittel.
  • Kinder lernen sinnliche Wahrnehmungen in Worte zu fassen. Kommunikationsprozesse werden angestoßen.
  • Kinder bekommen einen neuen Bezug zu Lebensmitteln, die Bedeutung und Wertschätzung von Lebensmitteln wird erhöht.
  • Die Einbindung von Sinnesritualen in die tägliche Mahlzeitensituation sichert die Nachhaltigkeit und den Effekt.
  • Die Sinne müssen, wie der Verstand entwickelt werden, dies ist ein lebenslanger Prozess, der besonders in den ersten Jahren geprägt wird.
  • Die Geschmacksentwicklung ist mehr als „schmecken lernen“, alle fünf Sinneseindrücke wie Sehen –Hören – Riechen – Schmecken –Tasten spielen zusammen.
Wie können die Sinne im Kita-Alltag erlernt werden? Was ist dabei zu beachten?


Das regelmäßige Einbinden von Sinnesritualen in die Kita-Mahlzeit bietet ideale Chancen, den Geschmack und die Akzeptanz für ein gesundheitsförderliches Speisenangebot in Ihrer Kita zu fördern.
Aufgabe der Ernährungsbildung bei Kindern sollte sein, die „werdenden Esser” an die Hand zu nehmen und zu begleiten auf ihrem langwierigen Weg zum „gewordenen Esser” (Methfessel 2013).

Stand: November 2023

Literatur

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